Pfösl Gastgeber Eva und Daniel Mahlknecht und Brigitte Zelger
© Alenka Kurner und Mats Ramus
Deutschnofen

"Bei uns ist die Natur der Luxus" – Brigitte, Eva und Daniel vom Green Luxury Hotel Pfösl 

Interview • Locationtipps

Brigitte Zelger, ihre Schwester Eva Mahlknecht und ihr Mann Daniel haben die Philosophie für ihr Green Luxury Hotel Pfösl neu geordnet und erzählen, was Gäste aus dem Urlaub mitnehmen, weshalb Genuss nie nach Verzicht schmecken darf und wie aus dem einstigen Pionierweg eine neue Leichtigkeit geworden ist.

Petra Percher
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© Pfösl

Brigitte Zelger, Eva und Daniel Mahlknecht führen das Green Luxury Hotel Pfösl in Deutschnofen gemeinsam. Sie sind Gastgeberfamilie, Strategen, Sparringspartner – und drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die an einem gemeinsamen roten Faden arbeiten: Urlaub soll guttun, inspirieren und etwas zurückgeben.  

In den letzten Jahren haben die drei ihre Philosophie geordnet. Im Zentrum stehen vier Themen, die das Gästeerlebnis prägen: gesunde Ernährung, Aktivsein in der Natur, mentale Balance und die Freude am Schönen. Darum herum liegen acht Handlungsfelder, mit denen das Pfösl Verantwortung übernimmt – für Energie, Wasser, Mobilität, Mitarbeitende, Kreisläufe, Lebensraum, Kultur und Tradition.  

Wir haben Brigitte, Eva und Daniel an der Bar getroffen. Dort, wo es Südtiroler Naturweine, fermentierte alkoholfreie Alternativen und keine Angst vor klaren Antworten gibt. Ein Gespräch über Green Luxury, Genuss ohne Leistungsdruck, Eisbaden, Brotbacken, Esel als Coaches – und die Frage, warum Nachhaltigkeit kein Trend ist, sondern eine Lebenshaltung.  

Pfösl – Green Luxury Hotel in Südtirol

Ihr nennt euch Green Luxury Hotel. Viele fragen sich: Wie passt Luxus mit Nachhaltigkeit zusammen?

Brigitte: Viele fragen genau das. Für uns ist das kein Widerspruch. Die Natur ist der Luxus. Man kann mit der Natur so viel Luxus erleben – in allen Bereichen. Man muss sie nur wahrnehmen.  

Eva: Für mich hängt das stark mit gesundem Leben zusammen. Wenn Gäste sagen: „Ich kann hier alles essen, ich kann mich entspannen, ich kann gut schlafen, es geht mir gut“, dann ist das ein wesentlicher Bestandteil von Urlaub.  

Daniel: Es ist ein Spagat. Achtsam und nachhaltig arbeiten, aber trotzdem Genuss und Luxus bieten. Nicht Luxus als Überfluss, sondern als Qualität, Ruhe, Weite, gutes Essen, schöne Materialien, Natur.  

Was hat sich in den letzten Jahren bei euch verändert?  

Brigitte: Sehr viel. Vor allem haben wir unsere Philosophie, unsere Vision und unsere Nachhaltigkeitsstrategie strukturiert und neu geordnet. Viele Dinge, die wir machen, waren schon vorher da. Aber wir haben sie besser zusammengefügt. Unser Ziel bleibt immer das gleiche: Wir möchten Gäste, Mitarbeitende, Partner und die Menschen der Bevölkerung nachhaltig inspirieren und mit unserer Passion begeistern. Und wir möchten der Welt, der Umwelt und unserer Natur etwas zurückgeben – als Dankeschön, dass wir an so einem schönen Platz wohnen, arbeiten und leben dürfen.  

Besteht die Gefahr, dass es für Gäste zu theoretisch wird?

Brigitte: Wir sprechen nicht die ganze Zeit über Konzepte. Aber im Hintergrund brauchen wir diese Struktur. Gäste merken, dass wir achtsam und bewusst auswählen. Sie buchen uns ja auch, weil sie genau das suchen.  

Daniel: Es ist ein dicker, roter Faden. Wir müssen nicht bei jeder Entscheidung bei null anfangen. Wenn etwas in unsere Philosophie passt, ist es stimmig. Wenn nicht, merken wir es auch.  

Eva: Wir haben schon im Lockdown 2020 gemerkt: Wir möchten unseren Gästen das geben, was wir selbst lieben. Was wir gerne essen, was wir gerne trinken, was wir gerne tun. Das möchten wir weitergeben.  

 Ein großes Kernthema ist die Ernährung. Wie erklärt ihr eure Küche heute?  

Eva: Wir legen Wert auf eine gesunde, basenüberschüssige, regionale und saisonale Ernährung. In den letzten Jahren haben wir viele Projekte gestartet, darunter Taste Local im Eggental. Das ist ein Verbund von Bauern, die über eine WhatsApp-Gruppe an uns verkaufen. Mit unserem Küchenchef schaffen wir im Sommer bei Gemüse und Getreide eine Deckung von über 90 Prozent. Das ist bei einem so großen Haus ein tolles Resultat.  

Daniel: Hier gibt es ganz viele Nebenerwerbsbauern mit tollen, frischen Produkten. Unser Koch hat das System sogar ein bisschen umgedreht – er bestellt bereits im Winter. Dann kann im Dorf koordiniert werden, was in den Acker gesetzt wird. Wir geben eine direkte Wertschöpfung weiter. Wir haben jeden Mittwochabend einen lokalen Gemüseproduzenten, Winzer, Bierbrauer oder Olivenölhersteller hier. Man kann verkosten und darüber reden, diskutieren. Wir zeigen damit: Wir arbeiten zusammen. Das ist eins.  

Brigitte: Im August kochen wir über drei Tonnen Gemüse, Marmeladen und Früchte ein. Tomatensauce, Gemüse, alles für den Winter.  

Eva: Bei uns geht es nicht um Verzicht. Diese Küche ist mega genussvoll. Viele erschrecken im ersten Moment, wenn sie hören, dass es weniger Fleisch gibt. Aber das hat sich verändert. Vor fünf Jahren war das anders.  

Brigitte: Die Gäste sind achtsamer geworden. Viele freuen sich, wenn sie solche Speisekarten sehen. Es gibt ja noch immer viele, wo kein einziges fleischloses Gericht drauf ist.  

Green Luxury Hotel Pfösl – Quelle der Erholung

Drei Menschen, vier Kernthemen, acht Handlungsstränge, eine große Zwiebel. Das Green Luxury Hotel Pfösl in Südtirol ist ein achtsam gewachsenes System. Mit sinnlicher Öko-Architektur, gesundem Genuss, 1-a-Blick auf die Dolomiten, viel Ruhe und Bewegung. Sogar Brotbacken kannst du im Pfösl lernen.

Fermentieren im Pfösl

Wie geht ihr mit Food Waste um?

Eva: Food Waste ist ein großes Thema geworden. Es wird alles verarbeitet, nicht nur vom Tier, sondern auch vom Gemüse. Vom Strunk bis zum Blatt. Was nicht mehr zu Smoothies, Crackern oder anderen Dingen verarbeitet werden kann, wird jetzt fermentiert. Wir haben ein kleines Fermentationslabor eröffnet. Sehr handwerklich entwickelt von Daniel, Reinhard und Martin – also von meinem Mann, vom Küchenchef und vom Hausmeister. Dort fermentieren wir Fleischabschnitte, Fischabschnitte, Getreide und Gemüse mit Pilzen. Das wird zu Geschmacksstoffen, zu Umami. Das ist eine Hammersache.  

Daniel: Am Anfang hat es unten im Gang schon ordentlich gerochen. Da haben wir dann Lüftung und Kommunikation angepasst. Jetzt hängt auch eine Info für die Gäste dort, damit sie wissen, was hier passiert.  

Eva: Den Kefir und das Joghurt macht er auch selber. Überhaupt finden Gäste beim Frühstück viele besondere Sachen. Die Tees, die wir selber trocknen. Dann den Kefir, das Joghurt. Den „Muas“ – ein Bauernmus in der Pfanne, eigentlich eine Arme-Leute-Speise. Das haben wir als Kinder immer gekriegt.  

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© Robert Kropf

Ernährung als Basis für Longevity

Welche Rolle spielt Frühstück für euch?  

Eva: Frühstück ist die “prima material”, das Fundament für den ganzen Tag. Das ist uns wichtig. So viele Menschen verzichten freiwillig auf Gluten und auf Zucker. Bei uns gibt es alle Gerichte auch glutenfrei, die Hälfte unserer Kuchen ist ohne Gluten. Das kann also jeder essen. Und mit dem Zucker wird in unserer Patisserie sehr achtsam umgegangen. Das tut einfach gut. Und ist gesund. Ganz selten höre ich, es ist ein bisschen wenig gewürzt.  

Brigitte: Ernährung ist eben das, was die Menschen am meisten beschäftigt. Auch Longevity fängt bei der Ernährung an.       

Wir sitzen hier an der Bar im Pfösl. Auch da sind eure Werte spürbar.  

Eva: Unsere Naturabar ist inzwischen angekommen. Am Anfang war das schon schwieriger. Heute bekommen Gäste keinen Herzinfarkt mehr, wenn es keinen Aperol gibt. Viele freuen sich sogar.  

Daniel: Es gibt ja alles. Entweder hausgemacht mit dem Uralt-Grundprodukt oder ein Alternativprodukt. Genauso wie bei den Weinen. Wir haben derzeit rund 400 Etiketten. Der Fokus liegt absolut auf Südtirol. Besonders wichtig sind uns kleine Produzent*innen, die innovativ arbeiten und neue Dinge ausprobieren.

Brigitte: Wir haben auch alkoholfreien Wein, aber der Trend geht eher zu alkoholfreien Alternativen. Wir haben Feral, ein tolles Start-up aus Mezzolombardo, gefunden. Die fermentieren aus gelber und roter Beete mit Gewürzen und Hopfen Getränke, die nicht süß sind, sondern würzig, pfeffrig, spannend.  

Daniel: Sie sind an Weinstilistik angelehnt, aber keine Weine. Und sie lassen sich sehr gut zum Essen kombinieren.  

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c Hotel Pfösl

Brigitte Zelger, Eva und Daniel Mahlknecht vom Green Luxury Hotel Pfösl.

Wie ehrlich darf man gegenüber Gästen sein, wenn noch nicht alles perfekt ist?  

Brigitte: Für uns ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Wir sagen, was wir können. Und dort, wo wir noch nicht so weit sind, sind wir auf dem Weg.  

Daniel: Wir sind noch lange nicht am Ziel. Winter ist ein Thema. Es ist etwas anderes, im Sommer mit regionalem Gemüse zu arbeiten als im Winter. Wir können nicht so tun, als wäre alles immer gleich.  

Eva: Ich lebe selbst sehr gerne im Jahresverlauf. Im Winter werden Gerichte auch bleicher. Die Teller sind nicht mehr so bunt. Ich möchte im Winter kein frisches Tomatencarpaccio, wenn ich mich bewusst ernähren will. Das gehört dazu.  

Daniel: Bei manchen Dingen geht es einfach nicht. Kaffee wächst nicht in Südtirol. Schokolade auch nicht. Wir können Kaffee weglassen – oder wir gehen ehrlich damit um. Genuss muss im Vordergrund stehen. Wir sind ein Urlaubshotel, keine Klinik.  

Ist die Qualität der Produkte dann immer gleich?

Daniel: Die Qualität ist top, aber die Form ist halt nicht EU-zertifiziert. (lacht)  

Eva: Eine Tomaten-Lieferantin baut über 100 Sorten an. Bei unserem Brotbacktag am Donnerstag servieren wir dann handgemachten Mozzarella aus der Gegend mit Tomaten in allen Sorten und Farben zum Brot dazu.  

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Modernes Haus mit Infinity Pool
c Hotel Pfösl
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Gericht im Green Luxury Hotel Pfösl
© Green Luxury Hotel Pfösl

„Der Esel entscheidet“

Das zweite Kernthema ist Aktivsein in der Natur. Was bedeutet das im Pfösl?  

Brigitte: Wir sind alle drei gerne draußen. Deshalb ist es uns wichtig, dass auch unsere Gäste in der Natur unterwegs sein dürfen. Im Sommer wie im Winter haben wir ein großes Aktivprogramm mit geprüften Wanderführer*innen und schönen Themenwanderungen. Es gibt immer wieder Menschen, die noch nie auf 2.400 Metern waren. In Begleitung trauen sie sich, einen Schritt weiter zu gehen. Ob beim Essen ein Stück weitergehen oder beim Wandern. Wir begleiten Gäste gern, die Grenzen überwinden und was Neues probieren wollen. Eine Besonderheit ist unsere Eselwanderung. Jeden Freitag dürfen unsere fünf Esel mit den Gästen auf Wanderschaft ziehen. Die Gäste sind drei, vier Stunden unterwegs und kommen oft völlig geflasht zurück.  

Warum?

Brigitte: Weil sie einen Tag lang nicht alles entscheiden. Wenn der Esel entscheidet, wo es hingeht, dann ist das so. Da geht bei Gästen oft ein Licht auf. Sie verstehen: Ich muss nicht immer alles kontrollieren.  

Daniel: Wir sagen dazu: führen und geführt werden.  

Eva: Die Eselwanderung entspannt manche Gäste mehr als eine Yogastunde.  

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© Green Luxury Hotel Pfösl

„Nicht nur Fotos machen“

Was ist für euch der Unterschied zwischen langsam und bewusst?

Eva: Bewusst ist, wenn ich wirklich wahrnehme, was ich tue. Das geht langsamer oft besser, aber nicht automatisch. Man kann auch langsam unterwegs sein und trotzdem nichts mitbekommen.  

Brigitte: Viele Menschen können sich nicht mehr einlassen oder sehen Dinge nicht mehr. Deshalb helfen Erfahrungen in der Natur.  

Eva: Wir sagen manchmal: Weg mit dem Handy. Nicht nur Fotos machen. Dann bist du ja gar nicht mehr da. Schau raus. Atme durch.   

Darf man bei euch arbeiten? 

Brigitte: Natürlich. Es gibt Menschen, die hier arbeiten. Das bietet sich auch an. Aber entspannt. Wir haben keinen klassischen Arbeitsraum, sondern viele Plätze. Im Zimmer, auf der Terrasse, irgendwo im Haus. Jeder sucht sich den Platz, wo er sich wohlfühlt.  

Brotbacken als Inspiration

Auch Brotbacken ist bei euch ein großes Thema. Warum berührt das Gäste so stark?  

Brigitte: Der Brotbackkurs ist jede Woche ausgebucht. Wir zeigen, wie einfach es eigentlich ist, Brot zu machen. Man muss sich nur trauen, die Zutaten kaufen und es zu Hause probieren.  

Eva: Die Menschen wollen wieder etwas selbst in die Hand nehmen. Selber kochen, selber herstellen, selber machen.  

Brigitte: Man merkt die Freude an den kleinen Laibchen, die sie selber formen. Am nächsten Tag wird verkostet. Dann sagen sie vielleicht: Das war noch nicht perfekt, aber das probiere ich zu Hause weiter. Sie bekommen ein Rezeptbüchlein mit und fangen an zu experimentieren.  

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Change Maker Hotel Pfösl Brotbacken
Petra Percher
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Change Maker Hotel Pfösl Brotteig
Petra Percher

Regeneration ohne Leistungsdruck

Das dritte Thema ist mentale Balance. Was ist da für Gäste dabei?  

Eva: Der ganze Spa mit Anwendungen, Massagen, Kosmetik und energetischen Behandlungen. Alles natürlich mit Naturproduktlinien aus Südtirol. Für die mentale Balance sind fünf Yoga- und Regenerationstrainer im Haus. Jeden Morgen, jeden Abend eine Stunde. Vom Meridian-Stretching über Yin-Yoga, Kundalini, Prana-Flow, Lunar-, Solar- und Hatha-Yoga. Unsere Gäste sollen überall reinschnuppern können und auch mal andere Yoga-Stile ausprobieren. Ich bin selbst Yoga-Lehrerin und unterrichte.  

Wie verhindert ihr, dass Regeneration wieder zum Programmstress wird?  

Eva: Früher haben wir Wochenprogramme ausgeteilt, und Gäste standen vor mir und sagten: Das schaffe ich nie. Aber sie sollen ja nicht alles schaffen. Heute suchen Gäste selbst aus. Wir haben das Programm auch ausgemistet.  

Brigitte: Wir wollen weniger Müssen. Nur das, was einem guttut – beim Essen, beim Bewegen, beim Regenerieren. Nicht: Ich habe das bezahlt, also muss ich alles machen. Diese Zeit ist vorbei.  

Daniel: Wir wollen keinen Sport im negativen Sinn. Keinen Leistungsdruck. Wir wollen Bewegung. Es soll Genuss sein, verbunden mit Spaß.  

Eisbaden darf kein Muttest sein

Neu ist bei euch auch Eisbaden. Wie passt das ins Pfösl? 

Eva: Wir haben einen befreundeten Arzt, der mehrmals im Jahr Eisbaden-Workshops im Haus macht. Mit Atmung, Wissen, Ernährung und dann am Ende dem kalten Wasser. Aber begleitet. Bewusst. Ich möchte nicht, dass jemand aus Gruppendruck ins Wasser geht und sich nicht mehr traut, wieder rauszugehen. Beim Eisbaden geht es nicht darum, cool zu sein. Es geht darum, Fokus zu lernen. Wie gehe ich mit Stress im Körper um?  

Daniel: Wir haben auch technisch experimentiert. Im Sommer ein Tauchbecken auf 6 oder 7 Grad herunterzukühlen, ist sehr aufwendig. Das steht nicht im Verhältnis. Dann ist es nicht stimmig. Jetzt haben wir eine Holzwanne und in den Jahreszeiten, in denen die Temperaturen runtergehen, passt es besser.  

Brigitte: Genau das ist wieder unser Jahresrhythmus. Im Sommer hatte ich keine Lust auf Kälte. Dann sagt der Körper eben: Jetzt nicht.  

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c Green Luxury Hotel Pfösl

Freude am Schönen ist mehr als Architektur

Das vierte Kernthema ist die Freude am Schönen. Was meint ihr damit?  

Brigitte: Die Freude am Schönen ist für uns einmal die Architektur. Bei allen Umbauten war uns wichtig, dass an diesem Platz ein Ort entsteht, der stimmig ist. Wo sich Altes und Neues gut verbinden. Wo wenige Materialien verwendet werden und sich wiederholen, damit Ruhe entsteht. Alles mit Liebe zum Detail, Deko aus der Natur, vielen kleinen Besonderheiten, ein Herzchen da, ein Zettelchen dort. Das hebt die Stimmung im Haus. Aber das Wichtigste sind die Menschen, die dieses Konzept rund machen. Die Menschen, die hier arbeiten, die hier wohnen und die hier Urlaub machen.  

Eva: Ich sage bei der Begrüßung immer einen italienischen Satz: il cuore pieno di gioia. Mit einem Herzen voller Freude nach Hause fahren. Genau darum geht es.  

Lasst uns die Struktur nochmal zusammenfassen: Ihr habt rund um eure vier Kernthemen acht Handlungsfelder definiert. Welche sind das? 

Brigitte: Wir haben geschaut, was wir hier im Haus tun – und wo möchten wir der Natur, dem Dorf, den Menschen und diesem Platz etwas zurückgeben? Daraus sind acht Handlungsfelder entstanden: regionale Kreisläufe, Mobilität, Wasser, Recycling, Energie, Arbeitsplatzqualität, Lebensraum sowie Kultur und Tradition.  

Daniel: Für uns ist wichtig, dass wir diese Felder gleichmäßig bearbeiten. Es gibt Betriebe, die extrem aufs Energiesparen fokussiert sind und dort Technikanlagen zum Niederknien haben. Wir versuchen, ganzheitlich zu denken. Nicht nur in eine Richtung, sondern in allen acht Themen weiterzukommen.  

Brigitte: Es sind Themen, die uns immer schon wichtig waren. Energie, Abfall, Wasser, Mobilität, Arbeitsplatzqualität. Wir haben sie aufgeschrieben und arbeiten laufend daran weiter. Manchmal mit Hilfe von außen, damit wir Innovationen besser sehen und neue Schritte definieren können.  

Eva: Es geht auch darum, sichtbar zu machen, was schon da ist – und was noch Ziel ist.  

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„Passt das zu uns – oder nicht?“

Wenn ihr euch aus diesen acht Handlungsfeldern je einen wichtigsten Punkt aussuchen müsstet: Welcher wäre das? 

Daniel: Bei mir ist Technik sicher ein Punkt, weil da noch einiges möglich wäre. Aber man ist natürlich auch finanziell gebunden. Das muss immer ökonomisch zusammenpassen. Und ein anderes Thema ist für mich das Zusammenspiel mit dem Dorf und dem Tal. Unser Betrieb soll kein abgeschlossenes Resort sein. Wir möchten, dass das Dorf und das Tal von uns profitieren. Deswegen Taste Local, deswegen Spenden, deswegen öffnen wir den Betrieb auch für Einheimische.  

Brigitte: Wir unterstützen Vereine, Einheimische können bei uns frühstücken, in die Bar kommen, Abend essen. Wir bieten Yoga-Kurse für Einheimische an. Für mich persönlich ist der Lebensraum ein großes Thema: Kräuter, Bepflanzung, Biodiversität, regionale Kreisläufe. Wir möchten an diesem Platz Dinge machen, die Sinn stiften.  

Eva: Mir sind Kultur und Tradition wichtig. Ich unterrichte auch Yoga-Stunden für das Dorf. Und natürlich Arbeitsplatzqualität. Wir haben verschiedene Charaktere und verschiedene Talente. Jeder und jede bringt zu jedem Thema eine eigene Sichtweise ein. Das ist sehr wertvoll.  

Wie helfen euch diese Handlungsfelder bei kleinen Entscheidungen?  

Daniel: Sie machen Entscheidungen einfacher. Passt zu uns oder passt nicht zu uns? Manchmal ist es klar, manchmal Grauzone. Aber der rote Faden hilft.  

Brigitte: Bei Pflanzen zum Beispiel. Wenn der Gärtner sagt, ich kaufe euch irgendeine Thuja, dann sage ich: Nein, das geht nicht. Wir wissen, worum es geht. Zahlen wir auf Biodiversität ein? Können wir das verantworten oder nicht?  

Eva: Oder beim Nagellack. Wegen einer neuen Verordnung mussten Lacke aussortiert werden. Eine Mitarbeiterin hätte gerne eine Linie gehabt, die gut hält. Wir sagen: Laut unserer Philosophie müssen wir den nachhaltigen nehmen. Das sensibilisiert auch das Team.  

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© Marika Unterladstätter

„Ohne Leichtigkeit geht nichts“

Man spürt eine neue angenehme Leichtigkeit bei euch. Stimmt das?  

Brigitte: Ja. Und sie ist absolut notwendig. Ohne Leichtigkeit geht nichts. Die Leichtigkeit hat sich entwickelt, weil wir verstanden haben, was uns wichtig ist und was nicht. Was wir verantworten können und was wir nicht mehr wollen. Dann steht man mit beiden Beinen da und sagt: Das möchten wir nicht. Das tun wir nicht mehr so.  

Daniel: Wir merken, dass wir auf das absolut richtige Pferd gesetzt haben. Die Veränderungen waren groß. Wir haben sie konzipiert, durchgemacht und erlebt. Jetzt kommt die Sicherheit, dass es angenommen wird.  

Eva: Wir wollen uns nicht bereichern. Das ist nicht unser Lebensziel. Wir wollen gut leben. Uns ist Lebensqualität wichtig. Und dass der Betrieb gut läuft, dass wir investieren können und dass es uns allen gut geht.  

„Nachhaltigkeit ist kein Trend“

Ist es gut oder schlecht, wenn Nachhaltigkeit zum Trend wird?  

Brigitte: Ich finde es gut. Aber eigentlich ist es kein Trend. Nachhaltigkeit ist eine Lebenshaltung.

Eva: Für mich geht das Thema Nachhaltigkeit stark mit Gesundheit zusammen. Gesund leben bedeutet nachhaltig leben. Wir wollen alle lange gesund leben.  

Daniel: Wenn wir unseren Kindern in zehn oder fünfzehn Jahren noch offen in die Augen schauen wollen, können wir nicht einfach Vollgas geben und weitermachen bis zum Umfallen. Wir müssen achtsam und nachhaltig arbeiten und trotzdem Genuss bieten.  

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Eco Lofts im Green Luxury Hotel Pfösl
© Marika Unterladstätter
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Eco Loft im Green Luxury Hotel Pfösl
© Marika Unterladstätter

„Für die Generation Alpha ist das der neue Standard“

Ihr schaut auch schon auf die nächste Generation. Was bedeutet das für euch? 

Brigitte: Wir blicken auf die Generation Alpha. Für die ist vieles, was wir hier machen, wahrscheinlich nicht mehr Nachhaltigkeit, sondern Basis. Ein neuer Standard.  

Eva: Die leben schon so. Darauf müssen wir jetzt reagieren. Was wollen sie in zehn Jahren im Urlaub? Was ist für sie selbstverständlich?  

Daniel: Gleichzeitig muss man über das, was wir tun, trotzdem reden. Es ist keine Raketenwissenschaft, aber es muss echt verankert sein. Gerade weil sich auch Suchverhalten verändern und KI stärker wird. Um sichtbar und wahrgenommen zu werden, muss man diese Geschichten erzählen.  

Brigitte: Es geht nicht darum, sich dauernd selbst zu loben. Aber wenn niemand versteht, was wir tun, verpufft es. Wir möchten inspirieren. Dafür müssen wir unsere Geschichte erzählen.  

„Es muss weitergehen“

Wo wollt ihr als Nächstes weiterarbeiten?  

Daniel: Energie ist sicher ein großes Thema. Photovoltaik weiter ausbauen, Wärmepumpen, IT-Sicherheit und Strom sparen, vielleicht Erdwärme beim Umbau der Scheune, Küchenlüftung mit Wärmerückgewinnung. Wir sind ein Betrieb, der über drei Generationen entstanden ist. Da gibt es Altlasten, die man intelligent aufräumen muss.  

Brigitte: Es sind Hausaufgaben. Wir arbeiten laufend an diesen acht Themen weiter. Manchmal mit Hilfe von außen, mit Beratung, damit wir wieder Innovation nach vorne sehen.  

Eva: Und Mitarbeitende sind ein großes Thema. Arbeitsplatzqualität macht sich bezahlt. Wir haben tolle Mitarbeitende, viele junge, viele ältere, viele, die länger bleiben. Weil sie gerne da sind und uns mittragen.  

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Holzhütte in Schneelandschaft
c Hotel Pfösl
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Restaraunt mit Glassfassade, durch die Winterlandschaft zu sehen ist
c Hotel Pfösl

„Mitnehmen und nachhaltig inspirieren“

Was sollen Gäste aus dem Pfösl mitnehmen?  

Brigitte: Mitnehmen und nachhaltig inspirieren. Das ist ein großes Wort für uns. 

Daniel: Vielleicht backen sie zu Hause ein Brot. Vielleicht trinken sie den Kaffee erst ein bisschen später. Vielleicht gehen sie in die Natur und schauen wirklich hin.  

Brigitte: Oder sie erinnern sich an den Esel. 

Eva: Ja, oder sie beginnen nur den Morgen achtsam. Das ist ja schon ein riesengeheimer Schlüssel, der ganz einfach ist, aber für so viele Menschen so schwierig. Wir beginnen Regenerationsstunden immer mit einer basischen Gemüsebrühe voller Mineralstoffe. Die Leber hat alles vorbereitet. Das muss man nur ausspülen. Aber nicht mit Kaffee.  

Daniel: Wir trinken schon auch Kaffee. Aber später.

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